IBM 350: Die erste Festplatte der Welt!

TrekStor FestplattenDass es vor knapp 60 Jahren schon Festplatten gegeben haben soll, das mag man heute irgendwie nicht so recht glauben. Denkt man an die ersten Computersysteme zurück, so kommen einem doch unmittelbar hausgroße, komplizierte Systeme in den Sinn, die mit der heutigen Technik nicht mehr arg viel gemeinsam haben. Wie sollte denn damals bitteschön eine Festplatte aussehen? Tatsächlich präsentiert IBM bereits 1956 mit der IBM 350 eine erste Festplattenlösung, die als Grundstein unserer heutigen HDDs gilt. Allerdings natürlich in viel gigantischere Ausmaßen als es heute möglich ist. Eine kurze Reise durch die Zeit:

Teurer Speicherplatz

IBM 350 FestplatteVon 1956 bis 1959 baute IBM nur 14 Modelle der IBM 350, 1969 wurde das System gänzlich eingestellt. Doch kaufen konnte man die gigantische Festplatte, auf deren Ausmaße und Funktionsweise im weiteren Verlauf des Artikels näher eingegangen werden wird, nicht. Der Speicherplatz konnte nur gemietet/geleast werden – und das zu sagenhaften Preisen.

650 Dollar musste ein Unternehmen pro Monat berappen, um auf den Speicher zugreifen zu können. Nach heutiger Rechnung läge der Preis bei ca. einer viertel Million Dollar pro Jahr – eine Summe, die sich kaum noch jemand leisten könnte, bzw. heute auch keiner mehr leisten wollte, angesichts der deutlich größeren (bzgl. des Volumens, deutlich kleineren (angesichts der Bauweise) und deutlich günstigeren Speichermedien. Nichtsdestotrotz erklärten sich in den späten 50er- und 60er Jahren einige Unternehmen gerne dazu bereit, die innovative Technik zu nutzen, war die IBM 350 schließlich die allererste Möglichkeit überhaupt, Daten nicht sequenziell und somit auf bis dahin üblichen Bandspeichern zu hinterlegen.

Die bis dahin genutzten Hauptspeicher bestanden aus Ferritkernen, Bändern und Magnettrommeln, auf denen die Daten nur nacheinander, nicht aber an einem beliebigen Speicherort abgelegt werden konnten. Das Verfahren war recht träge, die Kapazität extrem beschränkt, die Bauweise noch größer – die Motivation hinter der IBM 350 steckte unter anderem also darin, dem Anwender die Möglichkeit zu bieten, auf kleinerem Platz mehr Volumen und schnellere Verarbeitungszeiten bieten zu können. Genau das sind die Motoren, die Festplatten-Hersteller auch heute noch antreiben.

Die Bauweise der IBM 350

Die IBM 350 war in etwa so groß wie moderne Industrie-Kühlschränke. Sie maß 1,73 m in der Höhe, 1,52 m in der Breite und 0,74 m in der Tiefe. In ihrem Inneren waren rund 50 Aluminiumplatten verbaut, die jeweils einen Durchmesser von rund 61 cm maßen. Zum Vergleich: Heutige Magnetplatten, die in HDDs verbaut sind, messen in der Regel nicht mehr als 6 cm im Durchmesser. Die Platten der IBM 350 waren beidseitig mit Eisenoxyd beschichtet, um eine magnetische Funktionsweise erst zu ermöglichen.

Tipp! Zum Ansteuern der Speichersektoren umfasste die erste Festplatte der Welt zudem ein Greifsystem, elektrische und pneumatische Kontrolle für dieses Greifsystem, sowie einen Luftdruckkompressor, der die Druckluft erzeugte, mit der das Greifsystem (bestehend aus Lese- und Schreibköpfen) auf Abstand zu den Platten gehalten werden konnten. Die Platten selbst waren auf einer Welle gestapelt, jede mit einem Abstand von 8 mm zu ihrem Nachbarn.

Kriterium Daten der IBM 350
Einführung 1956
Maße
  • 1,73 m hoch
  • 1,52 m breit
  • 0,74 m tief
Speicher 5 MB
Zugriffsdauer 0,6 ms
Kosten 650 Dollar

Die Funktionsweise der IBM 350

Um Daten auslesen oder schreiben zu können, wurden die Schreib- und Leseköpfe zunächst vertikal zur jeweiligen Platte positioniert. Anschließend wurden die Köpfe unter oder über die entsprechende Platte gefahren und so parallel zu ihrer ausgerichtet, um die Daten übertragen zu können. Ein Zugriff dauerte im Durchschnitt 0,6 ms.

Vor- und Nachteile moderner Festplatten im Vergleich zur IBM 350

  • deutlich kleiner und kompakter
  • viel mehr Speicherplatz
  • kostengünstiger
  • nicht alle neuen Modellen arbeiten so zuverlässig

Vergleich zu modernen Festplatten

Auch in heutigen HDDs werden noch Schreib- und Leseköpfe verbaut, ebenso wie magnetische Platten, auf denen die Daten gespeichert – oder von denen sie ausgelesen werden können. Währen die IBM 350 mit ihren 50 einzelnen Platten ein Gesamtvolumen von nur 5 MB hatte, reichen moderne Geräte längst schon in den Terabyte-Bereich. Die Zugriffszeiten bei heutige HDDs liegen im Bereich von Millisekunden, je nach Drehzahl zwischen 9 und 15 ms pro Zugriff. Die IBM 350 drehte mit 1.200 Umdrehungen pro Minute und Platte, während moderne Speichermedien Drehzahlen zwischen 5.400 und 7.200 rpm aufweisen.

Auf jede der Platten der IBM 350 befanden sich knapp 10.000 Sektoren (9.766), die jeweils 100 Zeichen (Bits) speichern konnten. Heutige HDDs mit einem Volumen von 500 GB, die für den Hausgebrauch durchaus üblich sind, weisen hingegen mehr als 200 Millionen Sektoren auf, die in der Regel 2.048 oder sogar 4.096 Bytes – also 16.348 Bits, bzw. 32.768 Bits speichern können. Die Anzahl der Sektoren ergibt sich aus der Größe des Speichervolumens geteilt durch die jeweilige Sektorgröße.

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